Über so viel Kommunikationsfreude staunt der Westfale

Als Westfale mit Hund wunderst Du dich hier schon: Ich kam abends am Freitag hier in Dresden an und bezog die Ferienwohnung. Als es dunkel war, so gegen 22:30 Uhr, machte ich dann noch den Abendspaziergang mit Cora. Und egal, wen man traf, Menschen in Ballonseide aus der nahegelegenen Plattenbausiedlung oder sächsisch-nuschelnde Rentner aus Alt-Omsewitz, jeder hielt an und wollte ein Schwätzchen halten. Und das mit einem Westfalen, in dessen Heimat eine unaufgeforderte Ansprache oft schon als nahe der Belästigung empfunden wird.

So ging es bis heute weiter. Die Menschen hier sind schon sehr spannend. Hundespazierengehender- und geocachenderweise habe ich ja beste Chancen, hier und da auf andere Gleichgesinnte zu treffen. So traf ich am Samstag bei meinem ersten Cache hier in der Gegend gleich ein junges Cacher-Paar, mit dem ich nach dem vergeblichen Suchen der Dose gleich den nächsten Cache in Angriff nahm - auf die Ockerwitzer Höhe, wo es einen fantastischen Blick auf Dresden und seine Umgegend gibt. Neben dem abgebildeten Foto brachte mir dies auch noch jede Menge Tipps zu lohnenen Ausflügen und Dosen ein. Auf meiner Liste ganz oben: der Zschoner Grund hier in der Nähe und der Hochwasserlehrpfad.

Mein Garmin vor Dresden-Panorama auf der Ockerwitzer Höhe

Zwei Absätze ohne wirkliche Einleitung? Also: Ich bin derzeit in Dresden. Und zwar hier. Die Wohnung ist toll und gemütlich, ausreichend ausgestattet - OK, ein Kochtopf in der Küche ist nicht der Hit, dafür gibt's drei Pfannen - und mit einer netten Vermieterin versehen. Die Lage ist für mich die nächste Überraschung gewesen: Dresden? Das ist doch total kaputtgebombt worden. Hier in Omsewitz gibt es jede Menge alter Bausubstanz. Ein wirklich hübsches Dörfchen im Schatten der Plattenbauten. Der Omsewitzer Grund in unmittelbarer Nähe ist ein tolles Spazierengehgebiet mit einem Streuobstwiesen-Lehrpfad. Und das alles nur wenige Kilometer von der Innenstadt entfernt.

Gehöft in Alt-Omsewitz

Diese Plattenbauten sind für mich ungewohnt. Als westdeutscher Kleinstädter habe ich sowas noch nicht allzu häufig gesehen. Und in Münster war ich bislang selten in Coerde oder Kinderhaus. Auffällig ist aber die deutlich andere Sozialstruktur in den Wohnblock-Siedlungen. Der Migrantenanteil dort scheint wesentlich geringer, der Altersdurchschnitt eher höher zu sein als in vergleichbaren westdeutschen Vierteln. Gleichwohl wird man ständig gewarnt, sich dort hinein zu begeben. Bis jetzt waren es aber nur normale Spaziergänge durch ein Wohngebiet.

Gestern war in Dresden Jahrestag der Bombardierung. Große Demos in der Innenstadt gegen den mittlerweile leider obligatorischen Nazi-Aufmarsch. Davon habe ich hier im Vorort nichts mitbekommen. Ich bekomme allerdings mit, dass hier politische Äußerungen möglich sind, die man sich bei uns eher verkneifen würde. In Münster ist mir beispielsweise noch keine Auto begegnet, über dessen Heckschreibe die Parole "Todesstrafe für Kinderschänder" läuft.

Heute nachmittag will ich mich in der Nähe von Pillnitz herumtreiben, werde also erstmals die Elbe überqueren. Und morgen geht es dann in die Sächsische Schweiz.

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