Münsters Parteien plakatieren wild

In Münster wahlkämpfen "Gentlemen" gegeneinander - wollen einem Parteien wie die örtliche FDP oder die Piraten weismachen. Es gebe nämlich ein "Gentlemen's agreement", dass gewisse Plätze für Wahlplakate in Münster tabu seien: Bäume beispielsweise, Kreuzungsbereiche, die Promenade, der Ludgerikreisel. Davon hatte ich auf der Münsteraner Mailingliste der Piraten gelesen, die FDP bestätigte es auf Twitter und wies auch auf ihrer Facebook-Seite darauf hin.

Merkwürdig nur, dass - wo in Ortsteilen wie Roxel oder Albachten unter anderem SPD, Piraten und Grüne noch weitgehend inaktiv beim Plakatieren sind - bereits plakatiert wird, als gäbe es kein Morgen mehr. In Roxel gibt es beispielsweise mehrere Plakate der Christenunion an Bäumen, einige sogar unter Verkehrsschilder geschoben. Ein Hinweis an deren Twitter-Account blieb folgenlos. Mehrere Plakate diverser Parteien hängen so tief, dass sich Fußgängerinnen und Fußgänger daran stoßen können.

CDU-Wahlplakat in Roxel zur Landtagswahl 2012 FDP-Wahlplakat in Albachten zur Landtagswahl 2012   CDU-Wahlplakat in Roxel zur Landtagswahl 2012

In Albachten verhält sich auch die FDP nicht gentlemanlike. Dort grüßt der gelbe Spitzenkandidat vom Baum herunter. Ein Stück weiter tut NRWs Wissenschaftsministerin von der SPD es dem Liberalen gleich (was ich allerdings nicht fotografiert habe). Dass in dieser Auflistung Beispiele von Piraten und Grünen fehlen, mag daran liegen, dass ich deren Plakate noch nicht gesehen habe. Die hier gezeigten Bilder entstanden in den vergangenen drei Tagen. Der Stand ist beim Schreiben des Artikels noch derselbe.

Konsequent sind die Parteien in der Frage der Plakatierungsregeln ja: Auch in diesem Fall sind ihre Ankündigungen heiße Luft. Verlassen sollte man sich auf sie keinesfalls. Das Ordnungsamt sollte sich des Plakatierungswahns annehmen, finde ich.

Ich frage mich sowieso, warum Bürgerinnen und Bürger von den üblichweise weder ästhetisch noch inhaltlich attraktiven Plakaten nicht besser geschützt werden. In Frankreich ist es üblich, in Kommunen an öffentlichen Plätzen Stellwände aufzustellen, wo jede Partei genau reglementiert werben darf. Plakatieren an Laternenpfählen und anderen Orten ist verboten. Die Wahlbeteiligung in Frankreich ist auch nicht schlechter als hierorts. Irrationaler als die Deutschen wählen Franzosen auch nicht. Insofern wäre es wohl kein Schaden, mit Wahlplakaten nicht mehr das Stadtbild zu verschandeln.

[Update 24.4.2012, 15:25 Uhr]

Wahlplakat der FDP Münster, aufgenommen am 24.4.2012 an der Pienersallee in Roxel Wahlplakate von CDU und FDP Münster an der Pienersallee in Roxel, aufgenommen am 24.4.2012

Unten in den Kommentaren steht ja, die FDP halte sich ans Gentlemen's agreement. Total gentlemanlike und bestimmt auch gar nicht ordnungswidrig ist auch das Plakatierverhalten in den obigen beiden neuen Beispielen.

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1 Kommentar

23
Apr

Lieber Autor,

die FDP steht weiter zu dem "agreement", das ich gegenüber den anderen Parteivorsitzenden angemahnt habe.

Das "agreement" sieht vor, dass an folgenden Stellen nicht plakatiert wird:

- Auf der Promenade und innhalb des Promenadenringes mit Ausnahme der Straßen Schlossplatz (ehemals Hindenburgplatz), am Stadtgraben und Münzstr.
- aus Verkehrssicherheitsgründen nicht am Ludgerikreisel
- nicht in klassischen Wohngebieten

Darüber hinaus sagt das "agreement" nicht aus, dass nur an Laternen plakatiert werden darf. Vielmehr wurden in der Vergangenheit immer wieder Bäume zum Plakatieren verwendet. In diesem Jahr ist das besonders auffällig.

Das Ordnungsamt schreibt in seiner Genehmigung, dass man an einem Baum plakatieren darf, Plakate jedoch nicht am Baum befestigen darf. Letzteres hat den Grund, dass beim Entfernen der Plakate viele Plakataufsteller vergessen den Kabelbinder oder Draht wieder zu entfernen.

Die FDP legt stets große Sorgfalt beim Plakatieren an den Tag. Aber natürlich kann bei den vielen Ehrenämtern, die im Einsatz sind, immer mal was schief gehen. Vor allem achten wir aber auch darauf, dass die Plakate nach der Wahl zügig und rückstandslos entfernt werden. Das werden wir auch in diesem Jahr so handhaben.

Insofern ist Ihre Darstellung nur bedingt korrekt.

Beste Grüße

Jörg Berens