Ulrich Klose

Mensch mit Hund • Texte • Politik • Münster

Texte über Politik, Musik, Computer, Geocaching und einiges mehr eines poltisch interessierten Hundehalters aus Münster-Roxel

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Einstellungen, die bleiben: Naiv-Pazifistisches zur Nacht

Es gibt, Dinge, die prägen Dich, pflanzen sich in Dich ein und schlafen viele Jahre fast unbemerkt in Dir. Und dann regen sie sich wieder und Du wunderst Dich ein bisschen.

Als ich den Kriegsdienst verweigerte - Achtung, Opa erzählt nun vom Krieg -, verwendete ich in meinem Begründungsschreiben ein Zitat von Reinhard Mey. Zwar war es Anfang der 1990er Jahre schon mehr oder weniger eine Formalität, den Kriegsdienst zu verweigern, aber ich hatte mir damals ernste Gedanken gemacht und aus voller Überzeugung verweigert.

Verwendet hatte ich die Passage "Keine Ziele und keine Ehre, keine Pflicht / Sind‘s wert, dafür zu töten und zu sterben" aus Meys Lied "Nein, meine Söhne geb ich nicht". Das Lied kannte ich von dem Album "Die große Tournee '86". Die Geschichte dieses Liedes, in dem ein Vater dem Verteidigungsministerium schreibt, er habe seine Söhne nicht mit viel Liebe aufgezogen, um sie dann dem Staat auszuliefern und als Kanonenfutter zur Verfügung zu stellen, hatte mich damals sehr beeindruckt. Und tut es noch heute!

Diese Zeit ist lang vorbei. Reinhard Mey rückte aus meiner persönlichen Erfahrungswelt etwas heraus. Wenngleich ich vor einigen Jahren einmal ein Konzert von ihm besuchte. Mehr als eine flüchtige Sympathie hegte ich all die Jahre aber nicht für seine Musik. Vor einigen Tagen erwarb ich dann aus einer Laune heraus die MP3s seines Live-Albums "Danke, liebe gute Fee" von 2009.

Darauf befindet sich das Lied "Kai". Die Story: Eltern bekommen die Mitteilung, ihr Kind sei bei einem Hilfseinsatz am Hindukusch im "Friendly Fire" umgekommen. Darin singt er folgende Zeilen: "Gewalt wird neue Gewalt gebären, / Terror wird neuen Terror nähren. / Und wieder ziehen Mütter daraus keine Lehre / Und wieder schenken Väter Söhnen Spielzeuggewehre - / Es liegt nicht brach, es dörrt nicht aus, das verfluchte Feld der Ehre!"

Diese Zeilen und das Lied haben mich gefangen. Denn ich habe den Wandel der gesellschaftlichen Stimmung in den vergangenen 20 Jahren nicht verstanden. Gleichwohl gibt es noch Menschen, die nicht dem heutigen Mainstream folgen. Unwidersprochen wird mittlerweile von Friedensmissionen gesprochen. Dass sich noch mehr Tote durch Tötungen verhindern ließen, gilt als sichere Wahrheit. Der - sicher nicht vollständig ehrenhafte - deutsche Außenminister wird in der Politik und den Medien als "verantwortungslos" gebrandmarkt, wenn er kein Militär in einen unsicheren Einsatz nach Libyen schickt.

Ich möchte nicht in diesen Kategorien denken. Und stelle erstaunt fest, dass man mit dieser Auffassung mittlerweile als altmodisch belächelt wird. Auf der politischen Seite vertritt nur noch die Linkspartei eine klar antimilitaristische Haltung. Und wird dafür medial geprügelt.

Gleiches scheint für Reinhard Mey auch zu gelten. Vielfach erntete ich mitleidiges Lächeln, als ich von dem kürzlichen Erwerb dieser Musik erzählte. Hach, dieser Gutmensch! Dieser Alt-68er! Dieses simple Lied zeigte mir eins: Ich muss auch künftig nicht ausgefeilt, theoretisch und politstrategisch fundiert begründen, warum man Soldaten nicht in einen Krieg schicken sollte. Nach wie vor glaube ich: Die, die sich am Krieg beteiligen wollen, sollen dies begründen müssen!

Menschen sollen keine Menschen töten! Das ist eine einfache Aussage, die nicht weiter begründet werden muss. Schon gar nicht darf das Töten mit Hilfe des militärisch-industriellen Komplexes stattfinden, der der einzige ist, der am Krieg gewinnt.

Und ähnlich wie diese - zugegebenermaßen naive - Haltung nehme ich es einfach so hin, dass mir Musik und Erzählweise Meys etwas sagen. Das wird schon richtig so sein.