Gleich in der Heavy Rotation
Wäre das, was mein CD-Player so an Arbeit verrichtet, ein Radiosender, dann wäre eine CD derzeit in der so genannten "Heavy Rotation": Die CD "Pantéon Rococo" der gleichnamigen mexikanischen Band. Diese ist, seit ich sie besitze, bereits sehr oft in meinen vier Wänden erklungen. Erstmals gehört habe ich die Band voriges Wochenende auf dem Umsonst-und-draußen-Festival Porta 2008.
Die Band war im Vorfeld des "U&D" groß angekündigt worden. Recht bekannt sei sie, internationales Format habe sie, Ska spiele sie, im Vorprogramm der Ärzte trete sie auf. Ich kannte sie nicht, speicherte lediglich "Da tritt Sonntag abends irgendeine Ska-Band auf dem Festival auf" in meinem Kopf. Und dann war ich überrascht, wie gut mir die Musik gefiel, was zu einem raschen Kauf-Entschluss führte.
Spanisch spreche ich nicht. Dass Pantéon Rococo aber auch linke Botschaften verkünden, konnte ich an einige Text-Einsprengseln, die ich dann doch deuten konnte, erkennen. Und auch das Bühnen-Hintergrundbild, das sich als Motiv auf edm CD-Cover wiederfindet, deutete darauf hin. Da findet sich der Hut, der von der Darstellung des "Uncle Sam" bekannt ist, auf einem Totenkopf wieder. Zudem schmückt der Hut ein Sowjet-Stern.
Gegen derlei politische Ausrichtung ist zunächst mal nichts auszusetzen. Und bei so einer mitreissenden Musik noch weniger. Denn ob es immer Ska ist, weiss ich nicht. Vielmehr höre ich aus den 13 Titeln der immerhin schon vierten CD der personalstarken Band eine gelungene Mischung aus folkloristischen Klängen, den gängigen westlichen Pop- und Rock-Genres und sicher auch Ska. Getragen wird die Musik wie im Ska in der Tat durch einen starken Bläsersatz. Das Spektrum der Lieder reicht von mitreißenden, schnellen Stücken wie dem Opener "Acámbe de matar", "Canciones de amor y odio" oder dem Schlussstück "La Distancia" über fast schon Rap-ähnliche Schnellsprech-Nummern wie "Triste Realidad" bis zu wehklagenden Liedern (Caminemos Juntos).
Nach Durchsicht der Textübersetzungen im Internet weiss ich nun auch, dass das Konzept des Band-Namens sich in den Texten wiederfindet. Die Mischung aus Pathetik und Trauer (Pantéon) und fast schon übertriebener Fröhlichkeit (Rococo, die überschäumende Spielart des Barock) tritt immer wieder in den Songs auf. Die scheinbar so fröhlichen Uptempo-Stücke handeln textlich oft von schlecht ausgegegangenen Liebesgeschichten. Genauso wie auf melancholische Lieder durchaus hoffnungsfrohe Texte geschrieben worden sind.
- Offizielle Band-Homepage
- Deutsche Fan-Page mit Textübersetzungen
- Seite des Umsonst-und-draußen-Festivals




