Ulrich Klose

Mensch mit Hund • Texte • Politik • Münster

Texte über Politik, Musik, Computer, Geocaching und einiges mehr eines poltisch interessierten Hundehalters aus Münster-Roxel

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Petra Hammesfahr: Frauen am Rande des Nervenzusammenbruchs

Frauen am Rande des Nervenzusammenbruchs -- und darüber hinaus. Das könnte ein Motto für die Romane von Petra Hammesfahr sein. Meisterlich versteht es die deutsche Autorin, Beziehungsgeschichten zu verfassen, in denen Frauen eine Hauptrolle spielen, die weitgehend als Anti-Heldinnen fungieren. Hammesfahrs Protagonistinnen sind Frauen mit vielen Brüchen in der Biographie, sie haben ihre dunklen Seiten, scheitern daran, ihr Leben mit einem Schleier von Ordnung zu umgeben.

Dass diese Geschichten sich trotzdem um Kriminalfälle ranken, ist nicht nebensächlich, aber auch nicht die Hauptsache. Petra Hammesfahr geht es um psychologische Nahaufnahmen ihrer Figuren. Sie interessieren die Verwüstungen, die Verbrechen in den Leben der Handelnden anrichten können. Und detailreich weiss sie das soziale Umfeld der Haupt-Personen auszuleuchten -- in den drei besprochenen Fällen jeweils kleine Orte.

Unter den drei zu besprechenden Titeln ist mein Lieblings-Buch ""Die Mutter"". Konsequent in der Ich-Form geschrieben, führt der Roman die Lesenden tief in das Innerste einer Frau, die am Verschwinden ihrer Tochter zugrunde geht und die ungeahnte Tiefen ihrer Vergangenheit offenbaren muss. Dass der Schluss so gar nicht typisch für einen Kriminal-Roman ist, macht das Buch umso sympathischer. Lange nach dem Zuklappen des Taschenbuches hatte ich mich immer noch nicht aus den intensiven Szenen der Geschichte befreit und fieberte weiter mit dieser Frau mit, für die ich bei allen Dingen, die ich erfahren hatte, große Sympathie empfand.

Dass Petra Hammesfahr Sympathie für Figuren, die auch Abstoßendes an sich haben, zu wecken versteht, ist eine ihrer großen Stärken. Das schafft sie beispielsweise auch bei ""Die Sünderin"". Immerhin ist die Handelnde eine Mörderin, hat brutal einen hoffnungsvollen jungen Mann ins Jenseits befördert, hat -- so scheint es -- ihre Familie zerstört. Und bei all dem schweren Schicksal gleitet Hammesfahr nie ins Melodramatische ab.

Schließlich ""Lukkas Erbe"": Dieser Roman ist anders als die vorigen beiden. Er porträtiert noch stärker als die anderen Texte eine Dorfgemeinschaft, in der fast jeder irgendwo in der umrahmenden Kriminal-Geschichte seine Finger im Spiel hat. Frauen stehen auch hier vorn in der Erzähl-Perspektive. Hauptsächlich aber lernen die Lesenden den geistig Behinderten Ben kennen, dessen Sicht auf die Welt Hammesfahr kenntnisreich und spannend erzählt. Anders als in den anderen Büchern, ist die Autorin hier bei der Erzählperspektive nicht so konsequent. Die Geschichte wird zwar aus der Sicht einer Kommissarin geschrieben. Doch viele Abstecher in Aspekte, die die Kommissarin allerhöchstens am Ende des Falles wissen konnte, Zeitsprünge und manches mehr weichen diese Perspektive auf.