Digitaler Bücher-Anzeiger steigert das Lesevergnügen

"Seit ich den *piep* habe, habe ich kein richtiges Buch mehr angefasst", erzählte mir eine Bekannte kürzlich, als der Blick auf meinen brandneuen E-Book-Reader fiel. Ganz so krass ist es bei mir nicht. Aber verstehen lann ich diese Aussage schon! Für Geräte der Unterhaltungselektronik bin ich sowieso zu haben. E-Book-Reader übten schon länger aus einem bestimmten Grund eine Faszination auf mich aus: Ich mag nicht gern am Bildschirm lesen.

So sieht er aus: der Kobo-eBook-ReaderNun war es an der Zeit: Aus der Werbung wusste ich, dass der Reader mit Touchscreen eines riesigen Online-Versandhändlers mittlerweile in bezahlbare Bereiche vorgerückt war. Etwas Recherche brachte dann die Erkenntnis, dass dieses Modell es nicht sein sollte, spielt es doch vor allem das besondere E-Book-Format dieses einen Ladens ab. Gleichwertig - und billiger - schien da der Kobo eReader Touch zu sein. Also etwas Geld in die Hand, das es zum runden Geburtstag gegeben hatte, und losgezogen, um ihn aus einem der großen Elektronikmärkte zu holen. Überall wurde ja damit geworben.

Und dann die Überraschung: Im ersten Laden hatten sie - leider, leider - gerade keinen mehr da. Im nächsten gab es die gewünschte Farbe nicht. Dafür war der Preis noch nicht auf die Summe umgestellt, die die Werbung verhieß. Im dritten Markt erhielt ich dann das oben abgebildete Gerät zum erwarteten Preis.

Und nun habe ich ein erstaunlich leichten Bücher-Anzeiger - laut Handbuch wiegt er 180 Gramm - mit einem Touchscreen, der sich leicht an den PC anschließen und als normales Laufwerk einbinden lässt. Mit einer proprietären Windows-Software wird der Reader in den unternehmenseigenen Kobo-Shop eingebunden. Das ist der einzige Minuspunkt. Diese Software scheint installiert werden zu müssen, um den Literatur-Bildschirm erstmalig initialisieren zu können. Danach braucht man sie nicht mehr. Ich befülle den Reader nun mit der für Linux wie Windows bereitstehenden Software Calibre und - falls ich mir vom Koboshop oder von Libri DRM-geschützte Dateien herunterlade - mit Adobe Digital Editions. Das funktioniert alles problemlos. Der interne Speicher dürfte mit 2 GB erstmal ausreichen. Zu Erweiterung steht ein Micro-SD-Karten-Schlitz bereit.

Der E-Book-Reader ist in mein heimisches W-LAN eingebunden. Mit dem enthaltenen Browser - dass er sich unter Einstellungen - Extras befindet, entdeckt der geneigte Nutzer irgendwann fasziniert - ist allerdings kein großer Staat zu machen. Er reagiert langsam, die Bedienung ist mühsam. Ich habe damit allerdings schon Stichwörter zur aktuellen Lektüre in der Wikipedia nachgeschlagen. Das war schon ganz schön.

Wer gern liest, macht mit einem elektronischen Helferlein wie dem Kobo eReader eine neue Erfahrung: Denn so traditionell man auch gestrickt sein mag: Das Lesen damit geht sehr gut. Die Möglichkeit, die einem genehme Schrift samt Schriftgröße und Zeilenabstand einzustellen, möchte ich nicht mehr missen. Durch die eInk-Technologie leuchtet die Anzeige nicht - blendet und flimmert damit auch nicht. Lesen ist nicht anstrengender als bei "normalen" Büchern. Das Gerät zieht nur Strom bei der Bedienung des Touchscreens und dem Aufbau neuer Seiten. Das sorgt für eine fantastische Akku-Laufzeit.

Sicher wegen des Reizes des Neuen, aber auch wegen einer anderen Eigenschaft dieser Technologie steigert der Reader meine Lust am Lesen: Möglicherweise bin ich ein bequemer Mensch, aber dadurch dass alle gerade verwendeten Bücher im Speicher des Readers abgelegt sind, wird es zumindest für mich leichter, mehrere Werke parallel zu lesen. Also abends auf dem Sofa das eine, vor dem Schlafengehen das andere - und sonntags zum Frühstück vielleicht die Sonntaz, weil die sich problemlos und günstig im ePub-Format herunterladen lässt.

Beispielsweise mit dem Projekt Gutenberg gibt es kostenfreien Zugriff auf lizenzfreie Literatur. Unter anderem stehen einem damit fast alle klassischen literarischen Werke offen. Ich fing sofort an, diese Quelle zu nutzen. Ehrlicherweise muss ich zugeben, dass ich niemals Geld für ein Rilke-Buch ausgegeben hätte. Aber in dieser Form konnte ich es mir gefahrlos aus dem Netz ziehen. Und siehe da: Es gefällt! Liebe Verlage und Rechteverwerter: Nicht nur für alte Schinken dürfte gelten: Kostenfreies Ausprobieren steigert auf Sicht Euren Umsatz und gefährdet ihn nicht!

Eine weitere Quelle, die ich begeistert nutze, ist die Zeitschrift Aus Politik und Zeitgeschichte der Bundeszentrale für politische Bildung. Die Ausgaben stehen kostenfrei als PDF- oder ePub-Dokumente zum Herunterladen bereit. Interessiert hätte mich deren Inhalt früher auch oft. Nur finde ich Lesen am Rechner eher unsexy. Nun, mit dem Reader, übertrage ich die Dateien und gehe danach auf den Sessel, das Sofa, ins Bett, wo auch immer das Lesevergnügen mich hinführt.

Ich würde auch gern mehr aktuelle Literatur lesen. Es ist schon sehr verlockend. Ich muss nicht mehr das Haus verlassen und kann mir fast im Moment der Idee das E-Book herunterladen und auf den Reader spielen. Nur hat es den deutschen Verlagen gefallen, mit ihrer Preispolitik eine Abwehrschlacht gegen E-Books zu initiieren. Diese sind in der Regel drei oder vier Euro billiger als die gedruckten Bücher. Damit sind sie immer noch wesentlich zu teuer. Völlig unverständlich ist, warum staatlicherseits auf E-Books 19 Prozent Mehrwertsteuer erhoben wird, auf gedruckte Exemplare hingegen nur sieben Prozent. Staat und Verlage tun mithin alles, um einen neuen Trend wieder einmal zu verschlafen. Möglicherweise machen sie dies, um sich hinterher umso lauter zu beschweren, dass sich alternative Vertriebsformen an ihnen vorbei entwickelt haben.

Also ein Gerät für alle Lese-Anforderungen. Dass der Kobo eReader - weil er offen für alle anderen Formate ist - nicht mit den eBooks von amazon harmoniert: Sei's drum. Bleibt nur zu hoffen, dass das Futter fürs Gerät günstiger wird. Und dass ich die gedruckten Bücher, die in meinem Regal noch der Lektüre harren, irgendwann ganz analog in die Hand nehme.

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