Ulrich Klose

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Notizen in Ulrich Kloses Logbuch

Beitrag vom: 22.02.2012

Die Piratenpartei hat keine wirtschaftspolitischen Aussagen in ihrem noch sehr rudimentären Parteiprogramm. Fast! Kurz und bündig formuliert der 20. und letzte Punkt des Programms:

"Die Piratenpartei tritt für die Abschaffung der Zwangsmitgliedschaft in Kammern und Verbänden wie der Industrie- und Handelskammer (IHK) sowie der Landwirtschafts- oder Handwerkskammer ein. Rechtsanwalts-, Notar- und Ärztekammern sind von diesem Ziel nicht erfasst."

Dieser Passus wurde beim Bundesparteitag in Offenbach am 3. und 4. Dezember 2011 eingefügt. Zugrunde lag dem ein Antrag, der wie folgt begründete, warum es bei einer Zwangsmitgliedschaft für Rechtsanwalts-, Notar- und Ärztekammern bleiben sollte:

"Rechtsanwalts-, Notar- und Ärztekammern sind hiervon auszunehmen, da sie bedeutsame Aufgaben im Hinblick auf die Sicherstellung der Versorgung der Öffentlichkeit mit den berufsspezifischen Dienstleistungen wahrnehmen."

Eingereicht worden war der Antrag für die "Unternehmerpiraten" durch Bundesvorstandsmitglied Matthias Schrade, seinerzeit noch geschäftsführender Gesellschafter einer Publikation für Börsenspekulanten. In entwaffnender Offenheit argumentiert er in der Antragsbegründung auch noch damit, viele kleine und mittlere Unternehmener hätten kein Interesse an den Leistungen der IHK, kennten sie nicht einmal.

Es hat somit den Anschein, als hätten sich Klein- und Mittelunternehmer in der Piratenpartei mal gerade einen Teil des Programms in gewünschter Form selbst geschrieben. Ist die Befürchtung also berechtigt, dass direktdemokratische Parteien wie die Piraten "so etwas wie eine Mittelschichtendemokratie (...) propagieren, die qua eines eigenen professionellen Lobbyismus elitäre Interessen verteidig[t]", wie Johanna Klatt jüngst im Cicero formulierte?

Beitrag vom: 09.02.2012

Die alte Linde auf dem Pantaleonplatz wurde vom Amt für Grünflächen gefällt und sofort geschreddertHeute Morgen war es laut auf Roxels Pantaleonplatz. Das Amt für Grünflächen rückte mit Motorsägen und Schredder an und fällte eine alte Linde, die vor der Villa Höping viele, viele Jahre gestanden hatte. Wurzelschäden, so die offizielle Begründung, machten die Zerstörung des imposanten Lebewesens unumgänglich. Wie die Örtlichkeit mit Baum aussah, ist auf dem Bild der Westälischen Nachrichten zu sehen. Gefährdet sei im übrigen auch die Linde direkt vor der Pantaleonkirche, einige Meter weiter. Möglicherweise gelinge es, sie noch einige Jahre am Leben zu erhalten.

Beitrag vom: 30.01.2012

Der Hindenburgplatz - Münsters riesige, nicht unbedingt schöne Fläche, Großparkplatz und Austragungsort der Send-Kirmes - soll umbenannt werden. So hat es eine vom Rat eingesetzte Expertenkommission vorgeschlagen. Wie auch andere, nach Nazis oder ähnlich zweifelhaften Personen benannte Straßen soll der seit 1927 dem damaligen Reichspräsidenten gewidmete Platz seinen Namen verlieren. In der Münsterschen Bürgerlichkeit hat das einen Sturm der Entrüstung mit altbekannten Argumentationsfronten entfacht.

Zunächst sah es nach einer klaren Mehrheit im Rat für eine Umbenennung aus. Dann regte sich Widerstand in der Bürgerschaft. Nun wird durch die Stadt eine repräsentative Bürgerbefragung durchgeführt. Es gibt eine begleitende Ausstellung im Rathaus sowie ein hervorragendes, umfangreiches Internet-Portal mit Hintergrundinformationen. Danach soll der Rat - trotzdem frei in seiner Entscheidung - über den Namen des einstmals "Neuplatz" genannten Arreals entscheiden.

Vorweg gesagt: Ich bin klar für eine Umbenennung des Platzes. Ich finde es schwer erträglich, dass er einem Antidemokraten, Totengräber der deutschen Republik und Steigbügelhalter des Faschismus gewidmet ist. Noch unerträglicher finde ich die Kombination vor Ort. Befindet sich an der Stirnseite des Platzes mit dem Schloss doch die Zentrale der nach Kaiser Wilhelm II. benannten Uni. Auch dies ist sicherlich keine würdige Benennung, die geändert gehört.

Beitrag vom: 02.01.2012

Einige führende Piraten liefern fortlaufend den Nachweis ihrer fehlenden Medienkompetenz. Der Bundesvorsitzende dieses lustigen Vereins, Sebastian Nerz, hat heute die Piraten-Öffentlichkeit in Aufruhr versetzt mit Interview-Äußerungen in der Passauer Neuen Presse, wonach seine Wunsch-Koalition eine aus Grünen, FDP und Piraten wäre. Das ist natürlich Blödsinn. Weshalb es auch einen ansprechenden Entrüstungssturm auf Twitter nach sich zog.

Beitrag vom: 01.12.2011

Die Piratenpartei hat ein Nazi-Problem. Auch wenn immer wieder gesagt wird, es seien Einzelfälle: Heute rauscht die Unverfrorenheit durch den Blätterwald, dass das rheinland-pfälzische Schiedsgericht der angeblich fortschrittlichen, freiheitsliebenden Partei kein Problem mit Holocaust-Relativierern in den eigenen Reihen hat. Bereits zwei Jahre lang wurde das Parteiausschlussverfahren gegen den Beschuldigten von den dortigen Gremien mit hoher Wahrscheinlichkeit mutwillig verschleppt.